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Geschichte unserer Gemeinde

unser KGR nach der konstituierenden Sitzung am 2. Februar 2017
Geistliches Leben in Klausdorf - Ein geschichtlicher Rückblick von den Anfängen bis 2001

Geistliches Leben in Klausdorf gab es lange, bevor wir am 8.3.1962 eine selbständige Kirchengemeinde wurden und 1963 auch eine eigene Kirche bekamen.
Vorher gehörten wir zu Elmschenhagen (3/4 bis 1 Stunde Fußweg). Die Familien Bartsch und Schnack hatten nämlich (höchstwahrscheinlich) schon vor der Jahrhundertwende ihre Häuser geöffnet, damit jung und alt das Wort Gottes im eigenen Dorf hören konnten.
Da gab es zunächst die Bibelstunde, die wöchentlich im Wohnzimmer beider Familien abwechselnd stattfand.
Der Prediger oder ein Laienprediger der "Gemeinschaft in der Landeskirche" (Dammstraße, nach der Ausbombung Koldingstraße) in Kiel kamen jeden Freitag per Fahrrad oder ab der Straßenbahn-Endstation Wellingdorf zu Fuß und legten einen Bibelabschnitt aus.
Gesungen wurde aus dem "Reichslieder"-Buch, und der gemischte Chor trug in jeder Bibelstunde zwei zum Text passende Lieder vor. Die Bibelstunde erfuhr starke Belebung im Jahre 1923, als in Kiel in der alten Messehalle - dort, wo jetzt die Hauptpost steht - eine mehrtägige Evangelisation stattfand, die auch Klausdorfer besuchten.
Von diesen entschlossen sich manche, Jesus in ihr Leben aufzunehmen und bewusst nach Gottes Geboten zu leben.
Wer selbst von Jesus ergriffen ist, möchte dieses Glück auch anderen gönnen; er ist ja seine Schuld los.
So gab es eine Blättermission.
Das Blatt "Nimm und lies" mit christlichem Inhalt, das heute "Aufwärts" heißt, wurde in die Häuser gebracht. Außerdem fand in jedem Sommer an einem Sonntagnachmittag ein Missionsfest statt auf Schnacks festlich geschmückter großer Diele oder im schattigen Obstgarten, auch in der "Doppeleiche" (hinter dem Kriegerdenkmal) oder mal im Saal bei Thoms (jetzt "Klausdorfer Hof") .
Posaunenmusik schallte durchs Dorf, Gastprediger oder ein Missionar verkündigten das Wort Gottes, Chöre luden durch ihre Lieder zur Nachfolge Jesu ein.
Besonders gern gehört wurde der Männerchor des Gaardener Jugendbundes, den Herr Barsch leitete.
Es war immer ein Erlebnis, wenn er sang.
Viele Menschen waren herbeigeströmt, auch sehr viele aus den Kieler Gemeinden "mit Kind und Kegel".
Deshalb gab es beim Missionsfest stets eine Kaffeetafel mit "Platenkuchen" und milchkannenweise Saft eigener Herstellung und Buttermilch.
In Klausdorf hatte man auch ein Herz für die Heidenmission.
So kamen die Frauen zum "Missionsnähen" zusammen, wo Handarbeiten für die Missionsverlosung gemacht wurden, die am "Teeabend" bei Kuchen und Tee, Wortverkündigung, Gedichten und Chorliedern durchgeführt wurde.
Dem Missionsnähen und der Blättermission setzte der 2. Weltkrieg durch Mangel an Material, Papier und Menschen (Kinderlandverschickung mit Müttern) ein Ende.
Der bereits erwähnte gemischte Chor wurde 1925 gegründet und von Herrn Karl Hartz aus der Schwentinestraße geleitet, später von Herrn Hinrich Bartsch.
Als letzterer in den Krieg musste, übernahm Frau Bartsch den Chor, der dann nur noch Frauenchor war.
Frau Bartsch schrieb die Noten, die wir brauchten, von 4- auf 3-stimmig um, so dass der Chor auch in Kriegszeiten weitersingen konnte.
Noten gab es im Krieg eben nicht zu kaufen.
Das Chorüben fand immer bei Familie Barsch statt.
Zu Nazizeiten musste sich der Chor der "Reichsmusikkammer" anschließen und tat dies, indem er Mitglied im Christlichen Sängerbung wurde.
Er hat auf Transport dorthin sorgte jedes Mal Herr Peters aus der Gaardener Gemeinschaft mit seinem LKW, mit dem er sonst Kohlköpfe zu Wochenmarkt fuhr und den er für den Chor mit Bänken ausstattete.
Das gab immer fröhliche Fahrten! Im Winter konnten sich die Klausdorfer Kinder in Schnacks mollig geheiztem Kinderzimmer versammeln, im Sommer im kleinen Flur.
Man kam im Winter gern zu früh und besah sich im Stall die vielen Heu fressenden Kühe, deren Namen mit Kreide auf dem Balken über ihren Häuptern geschrieben stand, die Schweine mit rosigen Ferkeln und die Katzen auf den Schweinebuchten oder man spielte im Stroh, bis entweder "die Großen" oder "die Kleinen" Sonntagsschule hatten.
Da wurde dann mit einem Lied und Gebet begonnen, der Bibelmerkspruch und die biblische Geschichte aus dem Alten oder Neuen Testament spannend erzählt, besprochen und auf das tägliche Leben bezogen.
So bekamen die Kinder eine gute Grundlage für ihr Leben mit: Bescheid wissen im Wort und in den Geboten Gottes und erklärt bekommen in Beispiel-Geschichten.
In Not und Tod des Lebens und des Krieges wird das manchem Kind von damals Ruhe und Geborgenheit gegeben haben.
Die Kinder brachten zur Sonntagsschule auch gern einen Groschen für den "Neger" mit - einen Negerkopf auf einem Kasten.
Wenn man das Geldstück in einen Schlitz warf, nickte der Neger so schön zum Dank.
Und singen gelernt haben Klausdorfs Sonntagsschulkinder! "Gott ist die Liebe", "Weil ich Jesu Schäflein bin", "Komm zu dem Heiland", "Die Sonntagsschul ist unsre Lust" und viele Lieder mehr, dazu auch Kanon-Singen.
Ein Fest war jedes Mal die Sonntagsschul-Weihnachtsfeier in Schnacks ausgeräumten zwei Stuben, zwischen denen die breite Verbindungstür geöffnet wurde.
In den weihnachtlich geschmückten Räumen saßen an die 40 Kinder viele Erwachsene dicht gedrängt auf Bänken und Stühlen.
"Fröhlich Weihnacht überall" und manches schöne Weihnachtslied erklang, der Gemeinschaftsprediger aus Kiel hielt eine kindgemäße Predigt, und fast jedes Kind trug ein Gedicht vor.
Über die ganz Kleinen freute man sich am meisten.
Den Höhepunkt jedoch bildete der Weihnachtsmann, der plötzlich laut an die Tür klopfte und zugleich Schrecken und Freude verbreitete.
Eigenartigerweise wusste er über jedes Kind Bescheid, wollte hier und da ein Gedicht hören und hatte in seinem großen Sack Geschenke: eine Sammeltasse, einen Essteller mit Aufdruck "Sonntagsschule Klausdorf" mit Jahreszahl.
Einmal sogar hatte Frau Bartsch für jedes Kind das passende Hemd genäht, 40 Stück!
In der schweren Zeit der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre waren das willkommene Dinge!
Dann wurden auch noch einige Wannen hereingebracht mit Tüten, gefüllt mit selbstgebackenen Plätzchen, roten Äpfeln vom "Sonntagsschulbaum", mit Apfelsinen und Nüssen.
Zum Schlusslied und Dankgebet herrschte dann verständlicherweise kaum noch Andacht; denn der Tüteninhalt musste schon probiert werden.
Treue Menschen haben hinter der Sonntagsschularbeit gestanden und auch die finanzielle Seite möglich gemacht - wie ebenfalls für das fröhliche Sonntagsschul-Sommerfest.
Ebenso treu waren die Sonntagsschullehrer da - jeden Sonntag, wie ich sie erlebt habe: Herr Klempnermeister Hartz, Herr Stellmachermeister Bartsch und ab 1927 Frau Bartsch, die die "Kleinsten" übernahm - alle drei mit großem pädagogischen Geschick und viel Liebe zu den Kindern.
Frau Bartsch hat 57 Jahre lang in dieser ehrenamtlichen Kinderarbeit gestanden.
Sie leitete später auch noch den Kinderkreis und den Kinderchor.
Eine Unterbrechung erfuhr diese ganze Arbeit, als 1943 eines Mittags Bartsch's und Schnack's Reetdachhäuser durch Brandbomben vernichtet wurden.
Aber nach dem Kriege ging es in den inzwischen errichteten Baracken weiter.
Da verstärkten viele Flüchtlinge, die in Klausdorf Heimat gefunden hatten, die Reihen.
Nach dem Krieg auch hielt einer der beiden Elmschenhagener Pastoren alle 4 Wochen einen Gottesdienst in der Schulbaracke auf dem Sportplatz, später im neu errichteten Schulgebäude.
Man saß auf Schulbänken, Herr Bartsch spielte Harmonium und sang mit seiner schönen und kräftigen Baritonstimme die Liturgie. Im Jahre 1950 setzte der Kieler Propst Hans Asmussen den im Hause Schnack aufgewachsenen Pastor Willi Schnack, vormals Missionar in Abessinien, in Klausdorf ein.
Er gründete einen Kirchbauverein, schied aber wegen Krankheit bald wieder aus. 1961 kam dann Herr Pastor Friese nach Klausdorf.
Die Kirche wurde auf dem Grundstück der ausgebombten alten Schule gebaut und am 15.Dezember 1963 eingeweiht.
Jetzt wechselte die Bibelstunde in die kirchlichen Räume über, ebenso die Sonntagsschule, die seitdem Kindergottesdienst heißt.
Der Chor ist nun der Kirchenchor. Im Jahre 1948 hatte Herr Pastor Schwarz aus Elmschenhagen die Evangelische Frauenhilfe gegründet, die heute noch besteht und sich z.Zt. für die Mission in Tansania an den Massai einsetzt.
1981 kam Herr Pastor Warnke nach Klausdorf.
An seiner Seite arbeiteten nacheinander Herr Pastor Grimm, Frau Pastorin Pieper (seit 1987), Herr Pastor Dagge und Frau Pastorin Mallek (seit 1999).
Nach dem Weggang von Herrn Pastor Warnke im Sommer 2001 haben wir mit Frau Pastorin Mallek und Herrn Pastor Suhr, der im Dezember 2001 zu uns kam, zwei halbe Pfarrstellen künftig besetzt.
Verschiedene Kreise für jung und alt bereichern auch jetzt das Gemeindeleben.
Wie es früher war, so ist es auch heute: Jedermann ist herzlich eingeladen, am Gemeindeleben der Philippuskirche in Klausdorf teilzuhaben!

Erna Schleth